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Regulierung des deutschen Sportwettenmarktes: Wie geht es 2021 weiter?

Hatten sie eine gute Zeit lang mit ihrem als wenig vertrauenswürdig geltenden Image zu kämpfen, so konnten sich Anbieter von Sportwetten in den letzten Jahren doch deutlich auf dem deutschen Markt etablieren und ihre Fan-Gemeinden ausbauen. Das geht inzwischen sogar so weit, dass bekannte Namen im Wettgeschäft ganze Fußball-Clubs sponsern und in aller Munde sind.

Egal, ob Fußball, Eishockey oder Tennis – die Bandbreite an Wettoptionen ist immens angewachsen und mehr und mehr Buchmacher werben mit lukrativen Quoten. Während einige das Komplettpaket anbieten, fokussieren sich andere auf eine konkrete Sportart. Auch Vergleichsportale, die gleichzeitig Informationen bieten, sind stark im Wachstum. Möchte man z.B. auf Djokovic & Co wetten, kann man beispielsweise bei Tenniswetten.de vorbeischauen und die beste Quote finden.

Was für den Tipper nach Unterhaltung, Nervenkitzel und der Chance auf ein hübsches Extra-Sümmchen klingt, ist ein hart umkämpfter Markt. Doch nicht nur das – aufgrund der aktuell nach wie vor wackligen Rechtslage bewegen sich die Betreiber auch teilweise am Rand der Illegalität. Das trifft übrigens in gleicher Weise alle Glücksspiel-Unternehmen, also auch die große Gruppe der Online-Casinos, die ja oft auf ihren Webseiten eine eigene Unterseite für Sportwetten führen.

Das soll 2021 anders werden, da die Bundesländer sich nun auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag verständigt haben, der am 1. Juli in Kraft tritt. Was sieht dieser vor und welche Konsequenzen ergeben sich für die Nutzer?

 

Warum gibt es eine gesetzliche Neuregelung?

Im Grunde ist eine einheitliche Regelung für Gesamtdeutschland schon lange überfällig. Denn seit über 12 Jahren behilft man sich mit Übergangslösungen und duldet so manches Geschäft auf dem Markt, da es juristisch viel zu viele Unklarheiten gibt. Das führt zum einen dazu, dass der Spielerschutz nicht ausreichend geklärt ist, was besonders im Hinblick auf die Gefahren der Spielsucht sehr kritisch gesehen wird. Zum anderen entsteht durch ein fehlendes bundesweit gültiges Gesetz eine Grauzone mit zahlreichen Ausfluchten, die von den Glücksspielanbietern zu deren Gunsten genutzt werden.

Eine Variante ist beispielsweise, sich auf EU-Recht zu berufen und sich in Ermangelung einer existierenden deutschen Lizenz eine in einem anderen Mitgliedstaat anzuschaffen. Beliebt hierfür sind besonders Malta oder Curaçao. Mit einer solchen Lizenz wird das angebotene Glücksspiel zwar nicht legalisiert, dessen Ausführung kann allerdings auch nicht verboten werden. Und so fließen Jahr für Jahr beachtliche Summen an Steuergeldern ins Ausland ab, die sich der deutsche Staat selbstverständlich selbst sichern möchte.

Es wird daher ab Sommer 2021 ein neuer Glücksspielstaatsvertrag gelten, der endlich für eine gesamtdeutsche Lösung sorgt und staatliche Lotteriegesellschaften sowie private Online-Casinos gleichermaßen reguliert und kontrolliert. Das zahlt sich nicht nur finanziell für die Steuerkasse aus und schafft im Falle eines Rechtsstreits klare Richtlinien, sondern bringt leider auch sehr konkrete Einschränkungen für Spieler und Betreiber gleichermaßen mit sich. 

 

Welche Veränderungen entstehen im Juli 2021 durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag?

Sämtliche Buchmacher dürfen künftig nur noch Domains betreiben, die mit dem deutschen Markt konform sind, also auf „.de“ enden. Alleine diese Umstellung erzeugt einen enormen Aufwand und hohe Kosten.

Zwar wird der Wettbewerb für private Anbieter geöffnet, doch es ist fraglich, inwiefern jene die harten Qualitätskriterien zur Vergabe der neuen deutschen Glücksspiellizenz überhaupt erfüllen können. Für den Erhalt dieser Lizenz muss ein offizieller Antrag gestellt werden. Webseiten, die keine geprüfte Lizenz vorweisen können, werden von einem digitalen System erfasst und geblockt.

Die Auswirkungen der neuen Regelungen werden aber vor allem in der Wirtschaftlichkeit deutlich zu spüren sein. Denn die künftig auf 1.000 Euro pro Monat limitierte Einzahlungssumme eines Spielers bedeutet in der Folge einen riesigen Umsatzverlust. Auch Profitippern wird damit das Leben extrem schwer gemacht. Hinzu kommt die Auflage, nicht mehr bei mehreren Anbietern gleichzeitig zocken zu können, was natürlich ebenfalls zu einer drastischen Begrenzung der Möglichkeiten oder gar des kompletten Wettspaßes führt.

Daneben sollen bestimmte Wett-Varianten wie beispielsweise Gesellschaftswetten oder Wetten auf eine konkrete Tor-Zahl komplett abgeschafft und Live-Wetten drastisch eingegrenzt werden.

Um den Jugendschutz zu garantieren und gegen Spielsucht vorzugehen, wird es außerdem künftig eine Sperrdatei geben, die jeden Spieler online überwacht und so auch sicherstellt, dass die Einsatzlimits eingehalten werden.

Auf Seiten der Betreiber sollen währenddessen Vertragsstrafen von bis zu 500.000 Euro dafür sorgen, dass das bald geltende Regelwerk entsprechend befolgt wird.

 

Wie wirkt sich das Ganze auf den Sportwetten-Markt aus?

Für manche Anbieter von Sportwetten bedeuten diese Neuerungen direkt das finanzielle Aus. Zumindest wird der Glücksspielmarkt in Deutschland per se weniger lohnenswert. So sind bereits einige Mitstreiter wie Redbet und 10bet vom Markt verschwunden, während sich andere bemühen, die erforderlichen Hürden zu nehmen.

Viele informieren ihre Kunden bereits seit Mitte Oktober 2020 über die zu erwartenden Änderungen und bemühen sich, in Sachen Spielerschutz schon nach und nach die Bedingungen zu erfüllen und die erforderlichen Daten ihrer Nutzer einzuholen.

Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Situation im nächsten halben Jahr entwickelt und ob die Anbieter in der Lage dazu sein werden, rechtzeitig alle Änderungen umzusetzen.

 

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